|
Der Marktplatz zu Erpel am Rhein Im Jahre 1887 - also vor 100 Jahren - wurde die mächtige Platane auf dem Marktplatz in Erpel gepflanzt. Dies gab uns den Anlaß, einen Blick auf die Vergangenheit des Platzes, seiner Häuser und auf das Marktgeschehen zu werfen. Dies muß jedoch im Zusammenhang der ganzen Ortsgeschichte der "Alten Herrlichkeit" am Rhein gesehen werden. Der Marktplatz befindet sich nicht in der Mitte, sondern im südlichen Teil des Altortes. Die Mitte bildet die Pfarrkirche St. Severinus mit den angrenzenden Fronhofsgebäuden. Auch das Rathaus hat hier seinen Platz gefunden. Nach alten Überlieferungen sind auch hier die Entwicklungen des Marktgeschehens zu suchen. Die meiste Auskunft hierüber gibt uns das 1388er Weistum. Damals stand Erpel unter der Herrschaft des Kölner Domkapitels, erfreute sich aber einer gewissen Selbständigkeit, so daß im Jahre 1388 die Erpeler Gemeindeschöffen den Beschluß fassen konnten, mit Genehmigung des Kapitels und nach Einholung des Rates von Rechtsverständigen von sich aus ihre Rechte und Privilegien aufzuzeichnen. Erpel war seit 1130 im Besitz des Kölner Domkapitels, es besaß die volle Gerichts- und Schutzhoheit. Neben dem Kapitel hatten hier eine Reihe von fremden Stiften Besitzungen. Im 1388er Weistum erscheint der Wein als Handelsartikel, da mehr als für den eigenen Bedarf und der Herrschaft produziert wurde. Neben dem Wein werden auch die Trauben auf dem Markt gebracht. Der Weinbau war bis ins 19. Jahrhundert hinein die Haupteinnahmequelle der Erpeler. Nicht nur die Abhänge der Ley waren mit Weinstöcken bedeckt, sondern bis weit in die Ebene hinein erstreckten sich die Weinberge, und selbst in den Gärten und an den Häusern rankten die Gaben des Baccus. Gebaut wurde Roter und Weißer, ein Unterschied, der so wichtig war, daß danach die Zehnten eingeteilt wurden in den Rot- und Weißzehnt. In dem Buschwald, welcher die Höhe und den Nordhang der Ley bedeckte, wurden die Rahmen und Gerten für den Weinstock geschnitten. Die Rahmen der Hainbuche oder -eiche, etwa dreijährige vom Boden aufgeschossen, wurden als Pfähle verwandt, die dünneren ein- bis zweijährigen Gerten wurden quergelegt, um das Spalier zu vervollständigen, an dem der Wein in der Ebene emporrankte. Die Reben wurden mit Weiden gebunden, die am Rhein zahlreich wuchsen. Neben dem Weinbau wurde auch Ackerbau betreiben. Als Hauptfrucht wurden Roggen und Weizen angebaut. Der Anbau in Erpel war im 14. Jahrhundert weit über die alte Dreifelderwirtschaft hinausgegangen, die Brache wurde mit Futterkräutern besommert, und Wiesen lieferten Heu. Von Gemüsen werden besonders Erbsen erwähnt; an Obst gab es Birnen, Äpfel und Nüsse. Das Getreide wurde in den Mühlen am Kasbach gemahlen. Auch zu erwähnen ist die Viehwirtschaft. Der Viehbestand an Schafen war ziemlich bedeutend. Jeder Märker hatte das Recht, 25 Schafe und einen Widder in der Gemeindeweide zu halten. Nichtmärker und Märker, die mehr als 25 Schafe eintrieben, wurden bestraft. Neben den Schafen ist die Rede von Schweinen, Kühen und Pferden. Zu nennen ist auch der große Gemeindewald, dessen Nutzung beschränkt war. Die Märker hatten nur auf 4 Fuder Brennholz Anspruch, die Entnahme von Brennholz mußte besonders gestattet werden. Auch hier hatten Fremde keinerlei Rechte. Hauptbäume dieses Waldes waren Eichen und Buchen, wobei die Eiche drei- bis viermal mehr Wert hatte als die Buche. Der bereits genannte Handelsartikel Wein war nicht das einzige,
womit in Erpel gehandelt wurde. So sind namentlich aufgeführt: Fische, Mehl, Lederschmiere, Tran, Rüb- und Lampenöl, das wahrscheinlich zum Teil aus der Fremde kam. Gegen die Kniffe
der Händler, minderwertige Ölsorten für andere, wertvollere auszugeben, ergeht eine besondere Verordnung. Vor allem aber wurde Fleisch und Brot zum Verkauf gebracht. Eine eigene
Fleischbank wird erwähnt, und zahlreich waren die von der Gemeinde gegebenen Bestimmungen über den Fleischverkauf: Fleisch von ungesundem, krepiertem und nicht in Erpel geschlachtetem
Vieh darf überhaupt nicht verkauft werden. Der Verkauf von ranzigem Fleisch und von Fleisch noch nicht drei Wochen alter Kälber wird mit 2 M. bestraft. Im Sommer durfte das Fleisch nur
einen Tag auf der Fleischbank ausliegen, im Winter drei. Die Fleischbank stand dort, wo sich heute das Rathaus erhebt. Von Brot wird Weiß- und Roggenbrot erwähnt. Streng wurde auf das richtige Gewicht geachtet: außer dem Ofen soll ein Roggenbrot 7 Talente wiegen, innerhalb 8. Erpel hatte sein eigenes Maß. Für die kleineren Trockenmaße bildete der "Sester" die Einheit, er zerfiel in 4 "mulctralia" oder Mühlmaß zu 2 "mediae" oder 4 "Pinten". Das Müllermaß war der dritte Teil des "Sesters" (6 "Sester" = 1 "Malter"); soviel hatte der Müller von jedem Malter Korn als Mahllohn zu beanspruchen, also 5 5/9 %. Für Flüssigkeiten diente als Grundlage die "ama", welche 1390 für den Pachtwein neu gemessen wurde nach dem Gemeinde-Küfereimer. Daneben gab es Viertel und Halbviertel. Das Ölmaß für 1 Talent Öl betrug ein und ein Drittel des gemeinen Weinviertels. Streng wurde auf die Reinlichkeit und Unversehrtheit der Menge geachtet. Bei jedem Verkauf hatten die Virgulatoren (Messer) auf richtige Handhabung des Maßes zu sehen. Diese Leute waren eidlich zur Wahrung des Geschäftsgeheimnisses verpflichtet. Bei Zwischenfällen hatten sie dem Anspruche des Kaufmannes vor dem des Hausmannes den Vorzug zu geben. Der Hauptumsatz war in Erpel vom 1. Oktober bis zum 11. November. Für diese eit hatte das Domkapitel einen Markt festgesetzt und erhob in Erpel Zoll. Diesen Vorzug erkauften sich in alter Zeit die Erpeler durch die Abgabe eines "clovin", einer Anzahl von Weintrauben, welche an einem Holzgestell befestigt wurden. Indessen erscheint schon 1244 der clovin in die bequemere Form reinen Weines umgewandelt. Einen anderen "Kloben" entrichteten die Erpeler noch im Jahre 1388 dem Rheinzöllner in Köln. Dafür hatten die Erpeler das Privilegium der Zollfreiheit für alle Waren, die sie binnen der Stadt erstanden. Bei so günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen nimmt es nicht Wunder, wenn neben den alteingesessenen Bauern Fremde sich in Erpel ansiedelten. Wenn man die Zuname der Bevölkerung von 1401 auf das wirklich von ihnen ausgeübte Gewerbe bezieht, so gab es damals in Erpel folgenden Gewerbetreibenden: Müller, Brauer, Zimmerleute, Dachdecker, Kesseler, Faßbinder und Schröter, Krämer und Kaufleute, ferner Fischer, Weber und Bäcker.Selbst ein Bartscherer kommt vor. Einen Höhepunkt erlangte die wirtschaftliche Blüte im Jahre 1420: Einen freien Wochen und Jahrmarkt. Jeden Dienstag war Wochenmarkt. Von Montagmittag bis Mittwochmittag hatte jeder, der kommen wollte, Freiheit und Geleit für sich und seine Ware, ebenso 3 Tage vor und 3 Tage nach dem Jahresmarktsonntag von St. Andreas. Bevor Erpel 1420 dieses wichtige Privileg eines freien Wochen- und Jahrmarktes erlangte, gab es bereits den schon erwähnten Herbstmarkt vom 1. Oktober bis 11. November. Wann dieser Markt eingeführt wurde, ist nicht mehr festzustellen. Das 1388er Weistum berichtet sehr genau über diesen Markt: Der Markt wurde von Seiten der ländlichen Bevölkerung vor allem zum Absatz des Viehes gegen Einkauf gewerblicher Erzeugnisse genutzt. Dieser Markt ist herrschaftlich gewesen, wenigstens erhebt die Herrschaft durch einen vor ihr ernannten Zöllner dessen Zölle. Aber der Tarif dieses Zolls ist schon durch Weisung der Gemeinde festgelegt, und die Gemeinde macht dem Zöllner Höflichkeit zur Pflicht und bestimmt, daß Zollstreitigkeiten vor einem öffentlichen Gericht einzuklagen seien. Die Gemeinde hat sich durch den beginnenden städtischen Verkehr fast völlig frei von der Herrschaft gemacht. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung "Herrlichkeit". In diesem Zusammenhang wird insbesondere das Jahr 1244 erwähnt, worüber bereits berichtet wurde. Daraus können wir schließen, daß es den Herbstmarkt schon lange Zeit vor 1244 gab. Neben diesem Markt fand aber gegen Ende des 14. Jahrhunderts bereits das ganze Jahr hindurch ein täglicher Verkauf von Lebensmitteln, Brot, Fleisch und Wein in den Häusern der Bäcker, Fleischer, Winzer und Wirte statt, wie weitere Statuten von 1396 und 1402 beweisen. Das Einzugsgebiet der Erpeler Märkte war ziemlich groß, im Norden reichte es bis Köln und im Süden bis nach Andernach, denn dort wurden die Märkte öffentlich ausgerufen. Durch diese starke städtische Entwicklung sah sich die Gemeinde gezwungen, den Handel mit Wein durch Erlaß und Aufhebung von Einfuhrverboten zu regeln. Das Dolchtragen und das Würfelspiel wurden zum Erhalt des Friedens für gewisse Zeiten verboten. Es entwickelte sich eine Lebensmittelpolizei mit Einzelbestimmungen für Brot und Fleisch. Aufgrund so vieler Ansätze eines Marktes, eines regen Gemeindelebens, des Besitzes eines
Hoch- und Niedergerichtes, schien es, als wollte sich Erpel zur Stadt erheben. Die erste Urkunde, in der Erpel als Stadt genannt wird, stammt vom 27.02.1404. In weiteren Urkunden und
Schriftstücken wird von der Stadt Erpel gesprochen. Sogar im Schriftverkehr wurde Erpel als Stadt behandelt. Ja, die Krönung der wirtschaftlichen Blüte wäre die Verleihung der
Stadtrechte gewesen. Diese Verleihung hat nie stattgefunden. Im 14. Jahrhundert hatte die bereits erwähnte Fleischbank hier ihren Platz. Mit dem Beginn der wirtschaftlichen Blüte in der ersten Hälfte des 13. Jh's erhielt der Ort eine Befestigungsmauer am Rhein und einen dornenbewachsenen Graben landeinwärts. Dieser befestigte Ort erstreckte sich zwischen der Hospitalgasse und der Marktgasse, der früheren Dickgasse, deren Name von dem dornenbewachsenen Graben stammt: Dick = Dickicht. Durch die günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse siedelten sich neben den alteingesessenen Bauern Fremde in Erpel an. Durch diese Neuansiedlung mußte der Ort erweitert werden. Diese Erweiterung erfolge im 14. Jh. nach Norden und Süden des alten Ortskerns. Hierbei entstand durch das Zusammenlaufen mehrere Straßen im Süden eine dreieckige Platzanlage. Bei der Erweiterung wurde um Erpel eine Ringmauer mit 4 Toren errichtet. Von der Befestigung steht noch der stattliche Tortum, das Neutor. Vom Rheintor ist nur noch der äußere Torbogen erhalten geblieben, der heute in den Fronhof einbezogen ist. Weiterhin finden wir Rest der Mauer am Rhein mit dem Eckturm im Süden und landseits zur Eisenbahnstrecke ebenfalls Reste der Mauer im Bereich des ehemaligen Schleidentores. Wann diese, bei der Erweiterung entstandene, dreieckige Platzanlage zum Ort des Marktgeschehens wurde, ist nirgendwo niedergeschrieben, wie überhaupt über diesen Marktplatz keine Unterlagen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert vorhanden sind. Erst mit dem Baubeginn der heute auf dem Marktplatz stehenden Gebäude erhalten wir wieder Einblick, wenn auch nur einen kleinen, in die Geschichte dieses Platzes. Die herrlichen Fachwerkhäuser stammen aus der Zeitspanne Ende des 17. Jh's und Anfang des 18. Jh's. Über die Vorgängerbauten gibt es keinerlei Unterlagen. In der Schrift von Herbert Nebel: "Fachwerkbauten im Ortsbild am Mittelrhein" werden die Fachwerkbauten sehr genau beschrieben, wie wir auszugsweise zitieren: "Das Ortsbild von Erpel ist trotz störender Eingriffe von Geschlossenheit, wie sie am Rhein selten geworden ist, dies hat insbesondere für den Marktplatz volle Gültigkeit. Der Markt ist eine angeratige, dreieckige Ausweitung an der Straßenabzweigung ins Hinterland und kein planmäßig angelegter Platz. Der Platzraum in Erpel ist allseits von
Fachwerkhäusern gefaßt. In dieser geschlossenen Weise ist es das bedeutenste Platzraum-Ensemble am Mittelrhein. Dies gilt im besonderen für die bergseitige, 44 m lange
Fachwerkplatzwand. Vier Giebel der Häuser Nr. 24, 22, 20 mit traufseitigen An- und Zwischenbauten Bei den letzten Renovierungsarbeiten ließ Herr Noll den im Fachwerk eingearbeiteten Stern freilegen und mit Goldfarbe ausmalen. Auch das Haus Nr. 22 wurde als Gasthaus erbaut. Hier befindet sich bis zum heutigen Tage eine Gaststätte. Im Haus Nr. 20, das einzige Gebäude auf dem Markt, das mit einer Jahreszahl, 1696, versehen ist, befindet sich seit dem Jahr 1812 eine Brennerei. Diese wurde unter Denkmalschutz gestellt, was für die Besitzer, Familie Klein, bedeutet, daß sie an der Anlage nichts verändern dürfen. Bis zum heutigen Tag werden hier Erpeler Spezialitäten gebrannt. Die alteingesessenen Bürger von Erpel wissen noch, daß die Erpeler früher mit dem Spitznamen "Erpeler Kännchen" belegt wurden. Dieser Ausdruck stammt aus diesem Hause. Zum Verkauf der Spirituosen hatte man mehrere Meßkännchen, worin die gewünschte Menge Schnaps aus den Fässern entnommen und dann in die mitgebrachten Behälter gefüllt wurde. Außer im Weinbau fanden um die Jahrhundertwende viele Erpeler ihre Arbeit in den Basaltsteinbrüchen. Wenn es zum Wochenende den Lohn gab, gingen viele Männer erst einmal ihre
Wochenration Hefe in der Brennerei holen. Hierbei ließen sie es sich nicht nehmen, sich direkt aus den Kännchen einen kräftigen Schluck zu genehmigen... Der Marktplatz von 1887 bis 1987 Im Jahr 1887 wurde der Marktplatz mit einer Pflasterung versehen. Die Neugestaltung des Marktplatzes war Abschluß der umfangreichen Pflasterarbeiten im gesamten Ort. Die Hauptstraße, heutige Kölner Straße, erhielt in der Mitte einen Streifen glattes Pflaster, um den Fußgängern das beschwerliche Gehen auf den "Blauköpfen" zu erleichtern. Besonderheit der Marktplatzpflasterung ist das mit handgroßen weißen Kieselsteinen angefertigte Erpeler Ortswappen. Das Wappen ist in Kreisform angelegt und wird mit einem Außenkreis, bestehend aus 32 Dreiecken, ebenfalls mit weißen Kieselsteinen gestaltet, eingerahmt. Weiterhin wurde mit diesen Steinen die Jahreszahl 1887 eingepflastert. Die Kieselsteine wurden in der "Grov" zwischen Erpel und Unkel sorgfältig nach Maß gelesen. Anläßlich der Einweihungsfeier des neugestalteten Marktplatzes wurde ein Baum gepflanzt. Der Gärtner Ferdinand Lindohr, aus einem alten Erpeler Geschlecht stammend, war es, dem der Auftrag erteilt wurde, diesen Baum zu pflanzen. Er wählte eine amerikanische Platane aus, die sich durch ihren schnellen Wuchs besonders auszeichnet. Es war nicht nur ein großes Ereignis für die ganze Dorfgemeinschaft; für die Familie Lindlohr war es ein besonders aufregender Tag. Denn während der Festakt auf dem Marktplatz stattfand, kam der 7. Sprößling der Familie Lindlohr, der Sohn Josef, zur Welt. Meister Lindlohr eilte nach der Anpflanzung nach Hause, in die naheliegende Dickgasse, heutige Marktgasse, um seiner tapferen Frau in ihrer schweren Stunde beizustehen. Derweil feierten die mithelfenden Bürger und die übrige Bürgerschaft die Einweihung des Marktplatzes mit "Schnabus" (Trester) weiter. In den Jahren von 1903 bis 1908 wurden einige Häuser auf dem Marktplatz restauriert. Bei dieser Aktion wurde das teilweise verputzte Fachwerk wieder freigelegt. Das Haus an der Ecke Marktplatz/Kirchgasse wurde abgerissen und durch ein größeres Steinhaus ersetzt. Ebenfalls in dieser Zeitspanne, im Jahre 1905, erhielt Erpel seine erste Wasserleitung, die für den Marktplatz eine entscheidende Veränderung bracht. Bis zu diesem Jahr war der Platz Treffpunkt der Frauen vom Oberdorf, die hier an dem Brunnen ihr Wasser holen kamen. Seit dem Jahre 1753 steht hier ein schöner Brunnenpfeiler und daneben ein tischförmiger Pumpenstein zum Abstellen der Wassereimer. Ab nun gehörte ein Oberflurhydrant zum Bild des
Marktplatzes. Bereits im Jahre 1923 wurde die alte Pumpe wieder instandgesetzt, weil das Quellwasser, mit dem die Häuser über die Wasserleitung versorgt wurden, nicht mehr ausreichte.
Bis zum 2. Weltkrieg verwandelte sich der Marktplatz zur Johanniskirmes in einen Rummelplatz. Karussell und Schiffschaukel, Stände mit Süßigkeiten und Spielsachen sowie ein
Freiluftzirkus ließen die Kinderherzen höher schlagen. Im Rahmen der Kanalisation in den 50er Jahren, wurde die Hauptstraße im Bereich des Marktplatzes verbreitert, wodurch der dreieckige Platz kleiner wurde und u. a. die Pflasterung mit der Jahreszahl 1887 verschwand. Die gesamte Hauptstraße (heutige Kölner Straße) wurde anschließend mit einer Schwarzteerdecke überzogen. Im Jahre 1964 verschwand dann auch das Pflaster der Verbindungsstraßen von der Bahnhofstraße zum Schleidentor bergseitig des Marktplatzes und vom Schleidentor zur Hauptstraße, vorbei am Hause Noll, unter einer Schwarzteerdecke. Die zurückgebliebene Pflasterung verschwand unter den parkenden Autos! In den 60er und 70er Jahren stand die Neugestaltung des Marktplatzes mehrfach zur Diskussion. Hierbei wurden auch Überlegungen angestellt, die Platane zu entfernen. Begründung: Die starke Ausdehnung der Baumkrone gefährdete die umliegenden Häuser, die bei Sturm und Wind immer wieder an den Dächern beschädigt wurden. Es wurde weiter befürchtet, daß der starke Wuchs in Zukunft Schäden an der Kanalisation und den Fundamenten der anliegenden Häuser anrichtet. Zu Ende der 70er Jahre erhielt der Baum einen starken Rückschnitt, so daß die Äste nicht mehr an die Häuser schlagen konnten. Vom Fällen des Baumes war nun keine Rede mehr. Doch die Diskussion um eine Neugestaltung ging weiter. Die parkenden Autos wurden zu einem immer größeren Problem, und die Wurzeln hatten die Pflasterung stark angehoben, so daß
von der Schönheit des 1887 gestalteten Wappens nicht mehr viel zu sehen war. Im Herbst 1983 war es dann soweit: der Platz wurde neugestaltet. Die Steine wurden sorgfältig abgetragen,
sortiert und gereinigt, der Platz wurde angehoben, so daß ihn keine Autos mehr befahren können. Im Frühjahr 1984 wurde Weiterhin wurden am Marktplatz Blumenkübel aufgestellt, die dem Platz einen weiteren Farbtupfer geben. Erfreulich ist, daß die Blumen von den Anliegern gepflegt werden, und einige Bewohner durch das Anbringen von Blumenkästen an ihren Häusern den Blütenflor ergänzen. Überhaupt sollte einmal an dieser Stelle lobend erwähnt werden, daß die Anlieger viel Mühe aufwenden, die Straßen und Grundstücke sowie die Hausdächer rund um den Markt sauber zu halten, wenn im Herbst das Laub von der riesigen Platane fällt, und dies ohne Murren! Doch nach der Renovierung des Platzes nagte der Zahn der Zeit weiter. Die Steine der alten Pumpe wurden immer stärker durch die Umwelteinflüsse zerfressen, so daß die Jahreszahl
1753 immer weniger lesbar war, und der Stein brüchig wurde. In einer umfangreichen Renovierung im Mai 1987 wurde die Pumpe wieder hergerichtet. So präsentiert sich der Marktplatz zu
Erpel, 100 Jahre nach Pflanzung der Platane, als einer der schönsten mittelalterlichen Plätze am gesamten Mittelrhein. Und es wird ewig Aufgabe und Pflicht der Bevölkerung von Erpel
und der Marktanlieger sein, diese Schönheit, ein Zeuge der Vergangenheit, zu erhalten. Quellverzeichnis: ERPEL, Zum 65. Geburtstag von Ursula Lewald Privatdruck des Instituts und Vereins für geschichtliche Landeskunde hieraus: Die Herrlichkeit Erpel von Karl Lamprecht Ein wirtschafts-, sozial- und verfassungsgeschichtliches Paradigma Aus: Beiträge zur Geschichte vornehmlich Kölns und der Rheinlande (Mevissen Festschrift), Köln 1895, S. 1 - 26 Die rheinischen Gemeinden Erpel und Unkel und ihre Entwicklung im 14. und 15. Jahrhundert von Heinrich Sieveking Leipziger Studien aus dem Gebiet der Geschichte, II, 2, Leipzig 1896 Zur Geschichte von Erpel von Ursula Lewald Aus: Rheinische Heimatpflege, Neue Folge IX, 1972, S. 269 - 279 Herbert Nebel Fachwerkbauten im Ortsbild am Mittelrhein Mitteilungsblätter der Herrlichkeit Erpel Jahrgang 1964 und folgende, hier insbesondere Mitteilungen und Aufsätze von Altbürgermeister Heinz Schmitz sowie nach mündlichen Berichten von Karl Noll und Karl Klein Verschönerungs- und Vekehrsverein (Nachdruck nur mit dessen Genehmigung) Erpel am Rhein, Juni 1987 "Auf dem Marktplatz zu ERPEL am RHEIN" von Dr. Ludwig Noll: Die alten Häuser in der Runde Sie stehen träumend, geben Kunde Von längst vergangenen, fernen Tagen, und ihre Fachwerkgiebel ragen Empor im hellen Sonnenschein Auf dem Marktplatz zu Erpel am Rhein. Und die Platane rauschet leise. - Aus weißen Steinen rund im Kreise Ist eingelegt des Wappens Zierde Im Boden dort. Fest steht mit Würde Die Pumpe auf dem Pumpenstein Auf dem Marktplatz zu Erpel am Rhein. Schon lang ist's her. Als Lausejungen Sind froh wir dort herumgesprungen Und spielten Hasen "Flapp" geheißen Da auf den Steinen, auf den weißen, Auch um die Pumpe ging das fein Auf dem Marktplatz zu Erpel am Rhein Und als wir dann Studenten waren, Da mahnte in den späteren Jahren Gar oft der Wächter in der Nacht Zur Ruhe uns, dieweil mit Macht Wir sangen an den Mondenschein Auf dem Marktplatz zu Erpel am Rhein. Vorbei ist alles! und mit Freuden Und Wehmut denk' ich jener Zeiten Und an das fröhliche Geschehen. Noch einmal möchte' ich wieder stehen dort auf dem Platz, dreieckig, klein, Auf dem Marktplatz zu Erpel am Rhein. Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung der Ortsgemeinde Erpel. Weitere Informationen rund um Erpel finden Sie unter: http://herrlichkeit-erpel.de
|